Drama Baby

Moment mal

In alttestamentarischen Zeiten lief das so: Der Kleine schleuderte dem Großen einen Kiesel an die Murmel und die Sache war erledigt.

In unseren Tagen macht David eher den Rückzieher, wenn ein Goliath sich in Hafferloher-Manier (»Ich scheiß dich so was von zu mit meinem Geld, dass Du keine ruhige Minute mehr hast.«) vor ihm aufplustert. Doch die Freude über den leichten Sieg könnte dem Großen nach einem Blick auf den Saldo seines Sympathiepunktekontos bald vergehen.

Konkret: Die Modedesignerin Mari Otberg betrieb ein erfolgreiches Unternehmen in Berlin. Unter dem Label JustMariOT entwarf sie Brautmoden für einen exklusiven Kundenkreis. Das hätte auch noch lange so weitergehen können, wäre da nicht jemand mit einem überbordenden Sprachgefühl gekommen, der im Labelnamen ein verstecktes „Marriott“ gefunden haben wollte. Ohne Speer und Schleuder, jedoch mit einem Heer von Juristen, drängte der Hotelkonzern die Designerin zur Liquidierung des Labelnamens JustMariOT.

Natürlich ist der Schutz eines etablierten Markennamens wichtig und notwendig. Doch dazu gehört auch eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl. Wenn jemand in deinem Segment durch eine Namensähnlichkeit Marktanteile abgraben oder von deinem Image profitieren will, dann nimm ihn dir vor. Bei allen anderen überlege genau, was du damit anrichten kannst.
Mari Otberg hat durch den Fall eine glänzende PR und steigende Präsenz in den Blogs des Web2.0. Der Hotelkette Marriott werden kurzfristig viele die kalte Schulter zeigen.

Manchmal ist es einfach besser Größe zu beweisen, als sie zu demonstrieren; etwa durch besondere Aktionen und Events. So wäre es doch auch denkbar gewesen, Modenschauen zu veranstalten – „JustMariOT im Marriott“. Oder vielleicht sogar als Kooperationspartner aufzutreten und Brautpaaren Hochzeitskleid und Veranstaltungsort als Komplettpaket anzubieten – „Im JustMariOT im Marriott“.

Lasst die Keule stecken, nutzt den Kopf.